2. März 2017

Senegal – Je reviens…. Mit diesen Worten beendete ich in 2014 mein erstes Tagebuch in Senegal.

Heute bin ich nun zum dritten Mal die Reise an diesem wundervollen Land angetreten. Alles hat super geklappt. Ich hatte die Nacht zuvor zwar kaum schlafen können- Vor allem weil ich immer wieder daran denken musste, ob ich nun wirklich an alles gedacht hatte und ob die ganze Organisation wirklich auch klappen würde.

Die größte Sorge war wie letztes Mal das Gepäck – obwohl ich letztes Jahr viele Instrumente und Behandlungsutensilien in Senegal belassen hatte, waren es wieder mehr als 100 kg die ich alleine gepackt hatte. Dazu kam noch das ganze Gepäck von meinen drei Reisebegleitern dazu.

Morgens um 6 Uhr bin ich Richtung Toggenburg gefahren um in Wattwil Sören und Laura abzuholen. Wegen dem vielen Gepäck hatten wir mit Christina abgemacht, dass sie separat mit dem Zug nach Kloten fährt.

Aber es hat wie erwähnt zum Glück wirklich alles super geklappt. Wir hatten ein riesen Glück beim Check-in indem, dass die Frau hinter dem Schalter ein (und manchmal vermutlich auch beide) Augen zugedrückt hatte. Insgesamt war es immerhin mehr als 200 Kg Gepäck.

Wieder hat sich die Eröffnung von dem lang ersehnten neuen Flughafen in Dakar um ein weiteres Jahr verzögert. Es heißt nun November 2017 – mal schauen – schön wäre es in jedem Fall. Die Lage vom neuen Airport ist viel näher an dem Ort, wo wir dieses und hoffentlich auch die kommende Jahre arbeiten werden. Aber noch ist es nicht soweit und wir mussten im alten Flughafen wieder sehr lange auf unser Gepäck warten.

Als wir endlich rauskamen stand unser treuer Chauffeur You bereit. Um Mitternacht konnten wir dann in dem gleichen Hotel, wo ich zuletzt mit meiner Schwester gewohnt hatte, müde aber auch zuversichtlich ins Bett gehen.

3. März:

Morgens um 8 sind wir von You abgeholt worden. Die 50 Km nach Mbetite verliefen ohne Schwierigkeiten. In Mbetite ging es direkt zum Post Santè, eine Art Gesundheitsstation, wo wir die kommende Woche arbeiten sollten. Wie immer in Senegal musste jedoch zuerst ordentlich geputzt werden. Die Station ist für unsere Arbeit perfekt. Sie verfügt über 5 Räume, wovon wir uns zwei mit guten Liegen als Behandlungszimmern ausgesucht haben.

Es war etwas chaotisch. Malick war da und hat uns das ganze Equipment vom letzten Jahr gebracht. Oder genauer gesagt fast alles. Die mobile Behandlungseinheit von der Firma BPR und die beiden Behandlungsstühle waren da, aber der Koffer mit allen weiteren Utensilien war nicht da. Für die Behandlungen kein grosses Problem weil wir sowieso genügend Material dabei hatten. Das schlimmste daran war jedoch, dass ich auch echt teure Instrumente wie z.B. eine OP-Lampe und zwei Bluephase Polymerisationslampen in diesem Koffer eingepackt hatte und dass Malick behauptet, einen solchen Koffer gibt es gar nicht. Zum Glück hatte ich dieses Mal noch eine zweite OP-Lampe gekauft und weil Sören integriertes Licht auf seiner Lupenbrille hatte, konnten wir gleichzeitig in den beiden Behandlungsräumen arbeiten.

Unser Auto vor der Gesundheitsstation

Nach etwa einer Stunde aufbauen konnten wir dann den ersten Patient im Empfang nehmen. Christina und ich haben abwechslungsweise behandelt beziehungsweise dem anderen assistiert. Im anderen Zimmer wurde Sören von seiner Tochter Laura assistiert.

Wie letztes Jahr war die Arbeit sehr interessant. Eine Behandlung war jedoch fast ein bisschen zu interessant. Bei einer jungen Frau sollte ich die Zähne 27 und 28 extrahieren. Nachdem der 8`er mühelos entfernt war, habe ich mit dem 7`er angefangen. Wegen ausgedehnter Karies kein einfaches Unternehmen. Nach einer gewissen Zeit wird es mir dann klar, dass nicht nur der Zahn, sondern der ganze Processus Alveolaris, also der ganze Oberkiefer distal vom Zahn 26 sich bewegt. Eine solche Komplikation ist auf diesen Breitengraden nicht ungefährlich. Lässt man das frakturierte Stück drin, ist die Wahrscheinlichkeit einer Knochennekrose sehr groß. Nimmt man es raus besteht die Gefahr, dass eine Oroanthrale Fistel (Verbindung zur Kieferhöhle) entsteht. Weil das Knochenstück bereits ziemlich mobil war, musste es entfernt werden. Wir haben davon natürlich ein Foto gemacht,

Es war jedoch ein derart großes Stück, dass der Boden der Kieferhöhle deutlich erkennbar war. Zu meiner großen Erleichterung zeigte der anschließende Blastest, dass es keine Verbindung zur Sinus Maxillaris gab. Mit dem mitgebrachten Nahtmaterial konnte die Wunde verschlossen werden.

Nach einem spannenden Tag haben die Einwohner uns ein Essen vorbereitet. You hat uns gleich angeboten, wir können die Mahlzeit bei ihm essen. Ein traditionelles senegalesisches Essen, mit Reis, viel Gemüse und Poulet. Es war sehr interessant zu sehen wie You in Mbour lebt.

4. März

Arbeitstag in Mbetite. Um die Hitze am Nachmittag zu vermeiden, sind wir bereits um 7.30 nach Mbetite gefahren. Dies hat sich bewährt. Wie Gestern haben wir Überstunden gemacht. Wir versuchen durch zu arbeiten und um 14.30 aufzuhören, aber wir lassen die Patienten nicht gerne den ganzen Tag draußen warten, nur um ohne Behandlung am Ende des Tages, nach Hause geschickt zu werden. Einige haben eine lange Reise von 10-20 km entweder zu Fuß oder mit dem Charette (eine Art Pferdekutsche) hinter sich.

Wieder haben wir eigenartige Befunde gehabt, wie eine alte Frau, die derart viel Zahnstein hatte, dass es kaum erkennbar war, dass darunter sich Zähne befinden.

Meine Patientin von Gestern ist wie abgemacht zur Nachkontrolle vorbei gekommen. Die Wunde war immer noch gut verschlossen und es ging ihr einigermaßen gut.

Weil es Samstag war haben wir You gefragt, ob am Abend vielleicht etwas läuft. In Saly, dem Ort, wo wir wohnen gab es ein Miss Saly Wettbewerb. Nichts Besonderes, wie überall auf dieser Welt lautet das Schönheitsideal auch hier: Hauptsächlich schlank. Alle total abgemagert.

5. März

Sonntag. Mbetite ist überwiegend katholisch und deshalb wird sonntags nicht gearbeitet. Wir hatten deshalb einen Ausflug nach Dakar geplant. Mit der Fähre sind wir zur ehemaligen Sklaveninsel Goree gefahren. Hier wurden die Sklaven von den verschiedenen Ländern Westafrikas und der Elfenbeinküste gefangen gehalten, bis sie nachher nach Amerika verschifft werden konnten.

Unglaublich, dass man vor wenigen hundert Jahren Menschen so behandeln konnte – einfach unmenschlich. Die Europäer haben die Afrikaner auch nicht als Menschen betrachtet. Der damalige Papst hat sogar festgehalten, dass Afrikaner keine Seele besitzen!

Nach einer Stadtrundfahrt und einem Besuch auf dem lokalen Markt, sind wir nach Lac Rose gefahren. Hier haben wir gesehen, wie vom Salzsee Salz gewonnen wird. Das Wasser enthält derart viel Salz, das man nicht nur floaten kann, sondern förmlich auf dem Wasser liegt.

Der Rückweg erwies sich als recht abenteuerlich. Bereits am Morgen ist uns ein LKW, der sich überschlagen hatte und nun auf dem Dach am Straßenrand lag, aufgefallen. Dieser wurde nun geborgen und damit war die ganze Straße gesperrt. Während You sich eingeordnet hat haben die meisten anderen versucht entweder rechts oder links vorbei zu fahren. Weil die Unfallstelle an einer Brücke lag, gab es einfach kein Vorbeikommen. Das Ergebnis war, dass die Strasse auf beiden Seiten nun total blockiert war und ein Vorbeikommen nachher unmöglich war.

Zur grossen Freude von You, der dies alles vorhergesehen hatte, verteilte die Polizei Bussen an all jene, die sich auf der falschen Fahrbahn befanden.

6. März

Laura war krank- Magenprobleme. Sicherheitshalber blieb sie heute im Hotel. Sören musste deshalb Uli Mata als Assistentin anlernen. Bei den einfachen Behandlungen welche wir hier machen kein großes Problem.

Der Arbeitstag verlief gut. Meine Patientin mit der Kieferresektion kam zur Fäden Entfernung und es sah zum Glück immer noch gut aus.

Laura ging es inzwischen etwas besser. So gut, dass sie wünschte anschließend zum Mittagessen beim You mitzukommen. Seine Frau hat uns ein traditionelles Gericht gekocht. Das Nationalgericht bestehend aus Reis, Gemüse und Fisch. Wie üblich in Senegal essen alle aus einem Topf. Wie meistens, wenn in Senegal gekocht wird, hat es köstlich geschmeckt. Senegal wird nicht ohne Grund als kulinarischer Höhepunkt von Afrika bezeichnet. Das Fleisch ist hier gewiss nicht so zart wie bei uns, aber der Geschmack enthält Finessen in Form von Kräutern und Gewürze, die wir bei uns gar nicht kennen.

7. März

Heute hat es mich erwischt. Zum ersten Mal in Senegal wurde ich krank. Die Hälfte der Nacht habe ich auf dem WC verbracht und es ging mir echt schlecht. Ich habe mich selbst deshalb krankgeschrieben und ließ die anderen alleine nach Mbetite fahren. Die Krankenschwester Uli Mata war inzwischen ausgelernt und hat Sören assistiert. Ich wurde somit nicht viel vermisst. Schön, dass es nun soweit ist, dass Andere an unseren Projekten arbeiten können, ohne dass ich dabei sein muss.

Ich nutzte die Zeit im Bett u.A. um über meine Reisebegleiter nachzudenken: Wir sind ein super Team und harmonieren sehr gut. Sören kenne ich seit vielen Jahren. Er hat früher als Zahnarzt in Liechtenstein gearbeitet, bis er vor 15 Jahren seine eigene Praxis in Toggenburg aufgemacht hat. Ein super Typ und ein sehr guter gewissenhafter Zahnarzt. Seine Tochter Laura und die Zahnärztin Christina haben etwas Gemeinsames. Mir ist dafür auf Deutsch kein Wort bekannt. In Dänisch sagt man gäv. Heißt so viel wie unkompliziert, strapazierfähig und konstruktiv. Beide lassen sich von den primitiven Verhältnissen nicht abschrecken, sondern packen gleich an, wenn Bedarf ist. Laura ist 17 und geht ins Gymnasium in Wattwil. Sie spricht eigentlich das beste und fließende französisch von uns, hält sich damit noch etwas zurück. Christina ist eine junge dänische Zahnärztin, die bei einem Kollegen von mir in Ebnat Kappel arbeitet.

Es ist wirklich ein Vergnügen mit diesen Drei unterwegs zu sein. Alle sind positiv und alle versuchen einander so gut wie überhaupt möglich zu helfen. Wie z.B. Heute Morgen, als alle für mich Ihre Reiseapotheke aufmachen wollten.

8. März

Es ging mir etwas besser und ich bin fest entschlossen heute mit nach Mbetite zu fahren.

In Mbetite angekommen, haben wir in der Schule Prophylaxearbeit gemacht. Die Primarschule hat 6 Klassen. Zwei von den Klassenzimmern wurden von Ute Wild und ihrem Verein Teranga erbaut. Das alte Klassenzimmer mit dem eingestürzten Dach steht immer noch da. Vor etwa 5 Jahren kam hier ein Schüler ums Leben als das Dach während dem Unterricht einstürzte- schrecklich! Wir gingen von Zimmer zu Zimmer und zeigten den Kindern die korrekte Putztechnik. Dank Unterstützung der Firma Curadent konnten wir alle Schüler eine Zahnbürste aushändigen. Mit unserem Schulfranzösisch haben wir so gut wie möglich, über die Eckpfeiler einer guten Zahnprophylaxe aufgeklärt.

Aufmerksame Schüler

Irgendwann hat Sören gefehlt. Als wir zur Gesundheitsstation zurückgekommen sind lag er in einem der Betten- Krank. Wieder musste Uli Mata einspringen. Glück im Unglück: Eigentlich hätten wir heute einige Schüler aus dem Nachbardorf behandeln sollen. Diese sind jedoch verhindert worden und kommen erst Morgen. Wir konnten deshalb bereits um 12.15 Feierabend machen und unseren Patient ins Hotel fahren.

9. März

Trotz einer deutlichen Besserung gestern Nachmittag und Abend ging es heute Sören miserabel. Ausgerechnet heute an unserem letzten Tag in Mbetite.

Anfang Woche hatte ich mitbekommen wie Uli Mata Kleidergrössen von den Mädchen gemessen hatte. Dies konnte für mich nur bedeuten, dass heute am letzten Tag, eine Feier für uns vorbereitet wurde. Als am Morgen bei Sören eine kleine Verbesserung zu spüren war, habe ich ihm vorgeschlagen trotz Krankheit mitzukommen. Nach einer Stunde Wartezeit, sind wir wieder durch den üblichen etwas mühsamen, aber auch sehr interessanten Morgenverkehr von Mbour gefahren. Die Behandlungen gingen sehr gut. Meine Spezialpatientin kam wie abgemacht zur Schlusskontrolle. Weil der nächste Zahn bereits derart schmerzte, wurde dieser auch extrahiert. Diesmal ohne Kieferteile.

Um Sören zu entlasten, hat er Christina assistiert und ich habe Laura als Assistentin bekommen. Sie hat es super gemacht und wir konnten richtig speditiv arbeiten und in kurzer Zeit so viele Zähne ziehen, dass es bereits um 14 hieß, sie hätten keine weiteren Schmerzpatienten für uns. Sehr ungewöhnlich in Senegal. Die Schulklasse ist wieder nicht gekommen. Sie hätten zu viel Angst. Auch sehr ungewöhnlich, aber irgendwie auch verständlich, wenn man bedenkt, dass sie nie beim Zahnarzt waren.

Als wir uns die Arbeitskleider ablegen wollten, hat es geheissen, sie hätten doch 5 weiteren Patienten mit Karies für uns.

Christina

Wir hatten deshalb unsere Behandlungseinheit bereit gemacht und uns eigentlich darauf gefreut etwas anderes als nur Zahnextraktionen zu machen. Als wir dann endlich die Patienten untersuchen durften zeigte sich leider, dass keiner von Ihnen Karies hatte. Alle hatten sie sich Hoffnungen gemacht, wird könnten Ihnen eine Prothese machen und wir konnten deshalb wieder alles zusammen räumen. Dies obwohl ich zuvor ausdrücklich Babacar gefragt habe, ob wirklich alle 5 „Plombage“ benötigen. „Mais bien sure- Tous les 5 avont besoin de plombage“ lautete die Antwort- Schlechte Kommunikation ist in Senegal leider keine Seltenheit.

Als alles gepackt war folgte eine kleine Zeremonie in der Krankenstation, wo die 10 wichtigsten Männer des Dorfes inklusive Ndep uns abwechslungsweise gedankt hatten. Die große Dankbarkeit war sehr deutlich zu spüren und sie hoffen natürlich alle, dass wir nächstes Jahr wiederkommen.

Die abschließende Feier war sehr gelungen. Wir wurden in den maß gefertigten Kleidern eingekleidet und auf 4 Stühle unter dem großen Baum hingesetzt. Vor uns haben etwa 200 Kinder einen Kreis um eine Tanzfläche im Sand gebildet und ein Trommelorchester die typischen westafrikanischen Rhythmen gespielt. Wie üblich haben dazu vor allem die Kinder getanzt und wir wurden natürlich auch in die Mitte gezogen. Für das Selbstwertgefühl nicht gerade einen Gewinn, aber was tut man nicht um 400 lachenden Kinderaugen sehen zu können. Ich habe solchen Feste inzwischen schon einige Male erlebt und finde sie immer noch faszinierend. Etwas war anders an dieser Feier.

Die Frauen haben leider gefehlt. Als ich den Grund dafür gefragt habe, hat es geheißen, die Frauen arbeiten um diese Uhrzeit alle auf den Feldern, die zum Teil weit entfernt sind.

Noch etwas war ganz anders. Nach dem tanzen wurde spontan ein Wettbewerb im Ringen organisiert. Ringen ist in Senegal mit Abstand der größte Sport und der aktuelle Meister Monsieur Bombardier ist einer der bestverdienendsten Senegalesen überhaupt.

Abschließend durften wir eines der kleinen Dörfer besuchen. Mbetite besteht aus vielen solchen Familiendörfer. In jedem Village ist der älteste Mann das Oberhaupt. Der Chef hat uns stolz von seinen beiden Frauen erzählt. Sein Bruder lebt auch da mit seiner Frau und einigen Kindern. Insgesamt waren sie 25.

10. März

Am frühen Morgen sind wir mit You in dem nationalen Tierreservat Banja gefahren. Mit einem Guide durften wir mit dem eigenen Auto hineinfahren. Dadurch waren wir jedoch einer zu viel im Auto und wir mussten deshalb abwechslungsweise auf dem Dach vom Auto Platz nehmen. Sören und ich haben den Anfang gemacht.

Die Aussicht vom Dach war hervorragend, aber es ist alles anderes als bequem auf der Dachrehling auf den holprigen Wegen.

Es war jedoch sehr interessant. Wir waren die aller ersten Gäste an diesem Morgen und die Tiere waren noch sehr aktiv. Manchmal etwas zu aktiv. Einmal waren wir sehr nah an dem einzigen Nashornpaar im Park. Das Weibchen ging auf uns zu und als sie nur 5 Meter von uns entfernt war, hat sie angefangen bedrohlich zu wirken. Das Nashorn war hinter dem Auto und konnte anscheinend von vorne nicht gut beobachtet werden. Der Guide und You machte auf jedem Fall keine Anzeichen weg zufahren. Erst als das Nashorn auch die typische Angriff Bewegung machte, wo sie den linken Vorderbein rückwärts durch den Sand zieht, und Laura vom Dach unmissverständlich gerufen hat, dass sie Angst hat, hat sich das Auto in Bewegung gesetzt.

Der Guide erzählte nachher, dass er nie etwas Ähnliches erlebt hätte und dass es nie Zwischenfällen mit den Nashörnern gegeben hat.

Später hat ein Strauß sich in uns verliebt und führte vor unserem Auto einen Paarungstanz vor.

Am Abend sind wir dann zum alten Flughafen gefahren, wo wir uns von unserem treuen Chauffeur You verabschiedet haben. Er war wirklich wieder ein super Begleiter. Extrem hilfsbereit und ein sehr guter und vor allem auch sicherer Fahrer. Nur den Diesel rechnet er ein bisschen komisch ab. Wir haben deshalb mit ihm abgemacht, dass er nächstes Mal wie bei uns üblich mit einem vollen Tank anfängt und wir zahlen den Diesel und sorgen dafür, dass der Tank am Schluss wieder voll wird.

Der Flug durch die Nacht nach Paris und weiter nach Zürich verlief ohne Probleme.

Zusammenfassung und Gedanken:

Unsere Reise nach Senegal war in meiner Augen ein grosser Erfolg. Nach den beiden erfolgreichen Missionen im Norden Senegals war ich natürlich sehr darauf gespannt, ob sich Mbetite als Arbeitsort bewähren würde. Der Grund für den Wechsel war, dass die Fahrt nach Ndioum sehr anstrengend ist. Man verliert jeweils einen Tag bei der Hin- und Rückfahrt und dazu ist man ziemlich müde, wenn man endlich ankommt. Wenn man

bedenkt, wie viele Patienten wir in dieser Gegend in nur einem Tag helfen können, sind zwei Tage schon sehr viel.

Wir wollten deshalb ausprobieren, ob wir in der Nähe von Dakar auch etwas bewirken können. Ich kannte bereits das Dorf Mbetite von meinem ersten Besuch in Senegal und wusste dass die Not auch in dieser Gegend groß ist.

Es hat sich sehr bewährt nach Mbetite zu gehen. Erstens konnten wir gut arbeiten. Dank der guten Vorarbeit von Ute Wild, die u.A. einen Generator organisiert hatte, war es kein Problem, dass es keine Stromversorgung gab.

Zweitens gab es genug zu tun. Nach den 6 Arbeitstagen hatten wir mehr als 300 Zähne extrahiert. Und Drittens waren die Leute (wie überall in Senegal) sehr angenehm.

Ich könnte mir deshalb sehr gut vorstellen bereits nächstes Jahr wieder nach Mbetite zu gehen, aber verglichen mit dem Norden, hat es auch seine Nachteile. Es gab zwar genug Arbeit, aber es war nicht wie im Norden, dass es unendlich viel Arbeit gab. Im Norden hatte ich das Gefühl, dass auch wenn ich noch 10 Jahren durcharbeiten würde, es immer noch mehr als genügend zu tun gäbe. Dieses Gefühl hatte ich hier nicht, aber ich glaube es lag einfach an der guten Organisation. Unsere Patienten hatten auf jedem Fall genau so schlechte Zähne wie in Ndioum, aber die Betreuer, wollten uns nicht mehr Patienten zulassen, als wir auch behandeln würden. Zweitens ist es natürlich nicht ganz so abenteuerlich wie im angesiedelten Norden. Auch wenn es nicht ungefährlich ist so weit von der Zivilisation entfernt zu sein, ist es trotzdem oder vielleicht auch teilweise deswegen abenteuerlich.

Ich werde deshalb mit Sören, der für nächstes Jahr bereits Interesse geäußert hat, besprechen, ob wir wieder Mbetite oder Ndioum ansteuern sollen oder ganz woanders z.B. in der Casamence in den Süden Senegals.

Wir sind im Prinzip völlig Mobil und könnten auch von Ort zu Ort fahren. Schön haben wir diese Freiheit.

Aus dem Wartezimmer

Etwas anderes was dieses Jahr gut funktioniert hat war das Team und die Anzahl Reisebegleiter. Es war überhaupt nicht zu viel zu Viert. Dadurch, dass wir genug Instrumente besorgt hatten, konnten wir ohne Probleme gleichzeitig in zwei Behandlungsräume arbeiten.

Wir hatten genug Extraktionszangen und Elevatoren erworben. Zum einen dadurch, dass ich für meine Praxis alles neu angeschafft hatte und die alten Instrumenten mitgenommen hatte, zweitens hatte meine Schwester Malene wieder ein großes Sortiment besorgt, Drittens hatte Sören auch einiges aus seiner Praxis dabei und Viertens hatte die Firma Smartdentist uns kostenlos einige Instrumente geschickt.

Das sterilisieren mit meiner alten mitgebrachten Mikrowelle funktionierte auch gut, obwohl es nicht die Leistungsfähigste Mikrowelle ist und das Wasser nur gerade erst nach 25 Minuten zum Kochen bringt. Es wäre deshalb sicher keinen Fehler beim nächsten Mal eine stärkere Mikrowelle mitzunehmen. Oder eine ganz andere Methode zu verwenden. Bei ein Paar von den Zangen hat das kochende Wasser bereits zu Korrosion geführt.

Ich bin gespannt, wie viele nächstes Jahr mitkommen. Sollten es mehr als vier sein, ist dies eigentlich auch kein Problem. Die Arbeit besteht neben Zahnextraktionen, die nicht viel Ausstattung brauchen, aus Prophylaxe Arbeit, die auch nicht viel benötigt. Außer Zahnbürsten bräuchten wir dafür eigentlich nur ein großes Demomodell, um darauf die Theorie hinter einer korrekten Putztechnik besser zeigen zu können.

Wir haben zwar nur zwei OP-Lampen, aber die Erfahrungen mit dem Lupenlicht von Sören waren durchaus positiv. Die meisten Zahnärzte haben die Möglichkeiten Licht auf der Brille zu montieren und sonst würde eine gewöhnliche Stirnlampe auch genügen.

Diese Leuchtmittel haben auch den Vorteil, dass sie ohne Stromanschluss verwendet werden können. Wir haben dieses Jahr den Generator nur für unsere OP-Lampen in Betrieb gehabt. Die Instrumente haben wir immer am Abend im Hotel sterilisiert.

Das Auto von You ist perfekt für 4 Personen, aber hinten hat es auch zwei Bänke und weil das Gepäck auf dem Dach befestigt werden kann, wäre eine Gruppe von sechs Leuten logistisch auch kein Problem.

Es müssten gar nicht sechs Zahnärzte sein. Zwei oder drei würden auch genügen. Laura hat uns gezeigt, dass es auch ohne große Vorkenntnisse durchaus möglich ist, unter den primitiven Verhältnissen als Assistentin zu arbeiten.

In einem Ort wie Mbetite wäre es sogar durchaus denkbar, dass Gesundheitspersonal wie Babacar und Ueli Mata nicht nur assistieren, sondern selbständig einfache Extraktionen durchführen könnten. Wenn ein Zahnarzt nebenan die schwierigen Fälle behandeln würde, könnten der Zahnarzt oder die Zahnärztin dem Personal schnell helfen, wenn eine Extraktion sich doch als schwieriger als erwartet zeigt. Auch in der Prophylaxe Arbeit müssen wir die Senegalesen viel mehr einspannen. Wir haben zwar diesmal den ersten Schritt gemacht. Die Lehrer wurden gebeten jeden Morgen zusammen mit den Schülern, mit den ausgelieferten Zahnbürsten gemeinsam die Zähne zu putzen. Wir könnten nächstes Mal den nächsten Schritt machen und dem Gesundheitspersonal zu einer Art Prophylaxeassistenten ausbilden, die in den Klassen Putzunterricht geben.

Nach der Reise bin ich laufend in Kontakt mit dem täglichen Leiter der Gesundheitsstation in Mbetite monsieur Babacar gewesen. Er hat mir letzte Woche nochmals versichert, dass es keine Komplikationen bei unseren Patienten gegeben hätte. Für mich fast unglaublich nach mehr als 300 Extraktionen. Für mich zeigt dies nochmals, die Immunabwehr in diesen Gegenden, wo die Patienten nur bei äußersten Notfällen Medikamente bekommen, am besten funktioniert.