Am 9. Februar haben wir uns um 4 Uhr morgens am Flughafen Zürich getroffen. Wir sind: Christina Bjerre, Laura und Sören Olsen, ich selbst und die beiden neuen Teilnehmer Helle Langhede Olsen und Dzenita Muric.
Statt dem üblichen Weg über Paris mit Airfrance wollten wir dieses Mal den direkteren Weg über Lissabon mit TAP ausprobieren.

Hat alles super geklappt. Sie waren nicht gerade großzügig als wir unser 300 kg Gepäck eingecheckt haben, aber sonst ging es tip top.
Neu ist der kürzlich eingeweihte Flughafen von Dakar. Was die Berliner immer noch nicht fertig gebracht haben, ist den Senegalesen nun endlich gelungen und auch hier hat alles gut geklappt oder besser gesagt fast alles.

Die Infrastruktur ist zwar ganz neu, aber das Personal mit ihrer Einstellung ist leider immer noch das gleiche… Dzenita hat einen montenegrinischen Ausweis. Sie hat im Vorfeld alles abgeklärt und mitgeteilt bekommen sie braucht kein Visum. Für die Zöllner war sie jedoch wie ein gefundenes Fressen, um Schmiergeld einzukassieren.

Für die Zöllner war sie jedoch wie ein gefundenes Fressen, um Schmiergeld einzukassieren.

Sie haben uns erklärt, dass es sehr schwierig sein wird und auf jedem Fall sehr lange dauern
würde, falls es überhaupt möglich sei, ein Visum zu erhalten. Sie haben mich sogar aus dem
Flughafen begleitet, damit sie mir und unserem Chauffeur You erklären konnte worum es
geht. Es könnte ja sein, dass wir Ausländer nicht wissen, wie es in Afrika läuft. Im Flughafen
waren überall Schilder mit Visum gratis aufgehängt, um Korruption vorzubeugen. Aber
insgeheim haben sie gehofft, dass wir nachgeben würden. Zum Glück ist auch You gegen
Korruption und hat ihn abblitzen lassen, dennoch waren es zwei ärgerliche Stunden, welche
wir auf das Visum gewartet haben. Bei der ganzen Angelegenheit waren unsere
mitgebrachten Arbeitserlaubnisse von Babacar eine große Hilfe.

Ohne diese hätten die Beamten uns vermutlich noch länger warten lassen.
Als es für die Beamten endlich offensichtlich war, dass wir tatsächlich Zahnärzte sind, haben die Chefin und ihre erste Assistent uns allen Ernstes gebeten, ihre eigenen schmerzenden Zähne zu behandeln. Wir haben dies so höflich wie überhaupt möglich abgelehnt.

Senegal und viele andere Länder in Afrika erleben im Moment einen riesigen Wandel. Sie sehen unseren Wohlstand im Fernsehen und wollen logischerweise auch Teil davon sein. Um dies erfolgreich umzusetzen braucht es jedoch in den Köpfen einen Wandel. You hat uns erzählt, dass es erst jetzt mit dem neuen Präsident, die ersten nicht korrupten Polizisten gibt. Die Korrupten sind jedoch noch immer in der Mehrzahl.

Der größte Vorteil vom neuen Flughafen ist die Lage, statt fast zwei Stunden Fahrt wie früher, waren es nur 45 Min. bis zum Hotel.

Mbetite

Am nächsten Morgen sind wir, wie letztes Jahr, Richtung Mbetite gefahren. Wir wurden vom Stationsleiter Babacar und der Krankenschwester Oulimata herzlich empfangen und konnten unser Equipment aufstellen.

Obwohl ich Babacar im Vorfeld mehrmals erklärt hatte, dass wir diesmal 6 Behandler sind und deshalb in 3 Zimmer arbeiten können waren sowohl am Samstag wie auch am Sonntag zu wenig Patienten vorhanden. Am ersten Tag waren die Umstände einfach etwas unglücklich, weil am gleichen Tag sowohl eine Hochzeit wie auch eine Beerdigung stattgefunden hatten.

Dafür hatten wir die Gelegenheit eine katholische Hochzeit in Senegal zu erleben. Echt interessant. Sie feiern den ganzen Tag und auch die ganze Nacht bis in die Morgenstunden. Wir verabschiedeten uns am Nachmittag, damit wir keine Konkurrenz für die Hochzeit waren. Am Sonntag waren am Vormittag alle Katholiken in der Kirche und Babacar hatte deshalb am Morgen Muslime aufgeboten. Ging ganz gut, aber als nach der Kirche nicht gerade ein großer
Andrang nach Zähne ziehen herrschte, haben wir uns entschlossen zum nächsten Ort aufzubrechen.

Helle und Dzenita blieben in Mbetite um die letzten Patienten zu behandeln und der Rest von uns fuhr nach Diohine weiter.

Eine echte Verbesserung in Mbetite ist die neue Stromversorgung. Mbetite ist nach wie vor
nicht am Stromnetz angeschlossen, aber das Gebäude, wo wir arbeiten, hat seine eigene
autonome Photovoltaikanlage bekommen. Die Anlage hat zuverlässig Strom für unsere
Geräte geliefert. Sie war jedoch nicht stark genug, um auch genug Energie für unsere
mitgebrachten Wasserkocher zu liefern. Die Sonne scheint in diesem Land derart konstant,
dass es zwischen Oktober und Juni keinen einzigen Tag gibt ohne Sonnenschein- Ohne
Ausnahme!!

Diohine

bereits letztes Jahr hatten wir das Gefühl, dass der Bedarf unserer Hilfe zu gering war, um nur
in Mbetite zu behandeln. Ich hatte deshalb im Vorfeld Babacar kontaktiert und ihn gebeten
seine Fühler nach einem zweiten Standbein auszustrecken. Diohine, ein etwas größeres
Village mit 16.000 Einwohner hatte Interesse bekundet. Diohine befindet sich 10 km weiter
auf dem Schotterweg nach Mbetite und ist im Gegensatz zu Mbetite am Stromnetz
angeschlossen.

 

Diohine Gesundheitsstation
Wie Mbetite ist Diohine überwiegend katholisch und verfügt über zwei Gesundheitsstationen-
Sogenannte Poste Santè oder Dispensaire.

Im Gesundheitsstation Diohine wurden wir von der Leiterin, Schwester Clautilde herzlich mit
Wangenkuss empfangen. Wir haben uns installiert und eigentlich hätten wir am liebsten auch
die ersten Patienten bereits behandelt, aber in Senegal lässt man sich normalerweise nicht
gerne stressen und wir sind deshalb schon um 15 Uhr nach Hause gefahren.

Am nächsten Tag haben wir uns aufgeteilt. Helle und Dzenita haben in Mbetite gearbeitet und
die anderen vier in Diohine. In Diohine haben wir auf zwei Behandlungseinheiten in einem
sehr großen Raum gearbeitet. Wir hatten hier sehr viel Platz und die nächsten beiden Tage
konnten wir sogar im gleichen Raum auch den Behandlungsstuhl aus Mbetite aufstellen und
somit gleichzeitig auf drei Stühlen arbeiten. Wir haben dadurch eine große Kapazität erreicht
und konnten dadurch sehr vielen Patienten helfen.

Wie immer hatten die Kinder Vorrang. Gegenüber von der Poste Santè liegt eine Primarschule. Die Schule hat 6 Klassen mit bis zu 60 Schüler pro Klasse. Am zweitletzten Tag in Diohine haben wir mit der Schulleitung abgemacht, dass die Kinder die Zahnprobleme hatten während der Schulzeit bei uns behandelt werden konnten. Wir konnten dadurch 45 Schüler helfen. Insgesamt hat sich Diohine als sehr gut geeignet für unsere Arbeit erwiesen

 

Abschiedsessen in Diohine. Helle, Christina, Laura, Sören, You, Dzenita und Niels.

Prophylaxe

Die Prophylaxe war auch dieses Jahr ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Sowohl in der
Schule in Mbetite wie auch in der Schule gegenüber der Poste Santè in Diohine konnten wir
in sämtlichen Klassen Instruktionen durchführen. Meine Reisebegleiter hatten diesmal dafür
gesorgt, dass wir insgesamt mehr als 1000 Zahnbürsten dabei hatten. Vor allem Sören hatte
von der Firma Curaden sehr viele Zahnbürsten bekommen.

Die vielen Zahnbürsten ermöglichten, dass wir dieses Jahr nicht nur jedem Kind eine Bürste
schenken konnten, sondern mit der Schulleitungen vereinbaren konnten, dass sie nach einen
halbem Jahr die gebrauchten Zahnbürsten durch neue ersetzen können. Eine kurze Umfrage in
Mbetite ergab leider, dass sie irgendwann mit dem Zähneputzen in der Schule aufgehört
hatten und dass die meisten Schüler keine Zahnbürste mehr hatten. Dennoch sind wir
überzeugt, dass es eine gute Idee ist, dass die Lehrer jeden Morgen mit den Kindern
zusammen die Zähne putzen. In beide Dörfer machen sowohl die Lehrer wie auch die
Schulleitung einen motivierten Eindruck. Eine weitere Verbesserung war, dass wir dieses Jahr
allen Schüler einen Plastikbecher für die Schulzahnbürste geben konnten. Die Becher sind
zwar nicht besonders stabil, aber halb gefüllt mit Sand können die Zahnbürsten auf dem
Schultisch ohne umkippen stehenbleiben- Und Sand hat es in Senegal überall…

Die vielen Zahnbürsten ermöglichten, dass wir dieses Jahr nicht nur jedem Kind eine Bürste schenken konnten, sondern mit der Schulleitungen vereinbaren konnten, dass sie nach einen halbem Jahr die gebrauchten Zahnbürsten durch neue ersetzen können.

Die Instruktionen gingen sehr gut. Die Kinder lieben die Abwechslung und trotz bis zu 60
Schüler pro Klasse verfolgen Sie den Unterricht mit großem Interesse. Es ist jedoch nicht
leicht für sie das erlernte umzusetzen. Vor allem das Putzen der Innenseiten bereitete ihnen
große Mühe. Eigentlich kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die meisten nie eine
Zahnbürste im Mund hatten. Bestenfalls haben sie mit einem zerkauten Ast die Zähne
gereinigt- Aber eben nur auf den Außenseiten.

Für nächstes Jahr haben wir eine weitere Verbesserung geplant. Bevor wir die Kinder im Mund zeigen, wie sie putzen sollen, wollen wir anhand von überdimensionierte Modellen und Zahnbürsten die Theorie erklären. Diese Utensilien können danach in den Schulzimmern bleiben, damit der Lehrer ab und zu die Theorie auffrischen kann.

Die Kinder lieben es wenn wir einen von ihnen aussuchen, auf einen Tisch hochheben und ihnen zeigen wie man bei ihm die Zähne putzt.

Die Kinder lieben es wenn wir einen von ihnen aussuchen, auf einen Tisch hochheben und ihnen zeigen wie man bei ihm die Zähne putzt. Einmal musste ich selber auch ziemlich lachen. Nachdem wir zusammen die Zähne sicherlich bereits mehr als 5 Minuten geputzt haben, sehe ich ein Kind, wo es nicht wirklich klappte. Zunächst dachte ich, dass sie einfach die Bürste drehen muss, aber als ich näher kam sah ich, dass sie vergessen hatte die Schutzkappe von der Zahnbürste zu entfernen….

 

Altes, eingestürztes Schulzimmer

Schulbau Mbetite

Die Primarschule in meiner Wohngemeinde Mauren sammelt jedes Jahr Geld für einen
wohltätigen Zweck. Die Schulleitung hatte mich gebeten in Senegal ein geeignetes Projekt zu
suchen. Die Idee war dadurch eine Spende zu ermöglichen, wo die ganze Summe direkt an
das Projekt geht, ohne dass ein Teil des Geldes durch eine Organisation verschlungen wird.

Die Idee war dadurch eine Spende zu ermöglichen, wo die ganze Summe direkt an das Projekt geht, ohne dass ein Teil des Geldes durch eine Organisation verschlungen wird.

Durch einen Zufall, wurde ich in Mbetite auf ein geeignetes Projekt aufmerksam. Als wir uns von der Schulleitung und den Lehrern verabschieden wollten, haben sie uns erzählt, dass sie wegen wachsender Anzahl Schüler dringend noch ein Klassenzimmer benötigen.

Ein Klassenzimmer kostet etwa 7000 Euro. Deutlich mehr als die Schule in Mauren normalerweise zusammen bekommt. Ich bin jedoch sicher, dass wir weitere Sponsoren bekommen. Dazu habe ich der Schulleitung in Mbetite mitgeteilt, dass sie auch selber 2000 Euro finanzieren müssen. Sie sind ebenfalls zuversichtlich, dass dies möglich sei. Ich finde es gesund, wenn die lokalen Gemeinden auch ihren Beitrag leisten müssen.

Zusammenfassung

Unsere Reise war in meinen Augen ein voller Erfolg. Es war unser erster Einsatz nach der Gründung unseres Vereins Zahnärzte für Afrika.

Der Verein hat die Finanzierungsmöglichkeiten erheblich verbessert. Vor unserer Abreise haben wir verschiedene Stiftungen und Privatpersonen um Spenden angesucht. Vor allem zwei größere Spenden bedeuteten, dass wir dieses Mal die Reiseteilnehmer weniger zur Kasse bitten mussten.

Obwohl alle mit Leidenschaft dabei sind und gerne selber alle Kosten übernommen hätten, ist es doch angenehm, dass wenigstens einen Teil der Kosten übernommen wurden.

Dadurch, dass wir diesmal mit 6 Helfer unterwegs waren, konnten wir mehr Patienten als je zuvor helfen. Wie in den vergangenen Jahren wurden wieder viele schmerzende Zähne extrahiert. Dazu wurde unsere mobile Behandlungseinheit fleißiger benutzt als in den Jahren zuvor. Die stabile Stromversorgung in Diohine ermöglichte, dass wir vor allem bei den Kindern die Möglichkeit ergriffen bei nicht zu ausgedehnten Kariesangriffen, die Defekte mit Kunststoffüllungen zu flicken. Leider ist der Kompressor immer wieder ausgestiegen und oft musste Restkaries von Hand excaviert werden, aber trotzdem konnten wir mehr konservierende Behandlungen durchführen als früher. Ich habe die ganze Behandlungseinheit mit zurück genommen und nach einem Service vom Hersteller BPR bin ich zuversichtlich, dass wir auch in den kommenden Jahren viel Freude am Gerät haben werden. Es war jedoch sehr mühsam im neuen Flughafen. Anscheinend ähnelt das Innenleben der Kompressor, wenn er gescannt wird, einer Bombe. Ich musste deshalb mit den Beamten des Flughafens in den Katakomben des neuen Flughafens um den Kompressor auszupacken und ihnen erklären wozu das Gerät gebraucht wird. Auch hier war unsere Arbeitserlaubnis eine große Hilfe.

Anscheinend ähnelt das Innenleben der Kompressor, wenn er gescannt wird, einer Bombe.

Eine besondere Freude war unser Team. Alle haben super zusammengearbeitet und die beiden neuen Reisebegleiter haben sich problemlos integriert. Helle und Dzenita waren schnell im Team aufgenommen und als Bespiel wie sie sofort angepackt haben, haben sie den aller ersten Patient in Mbetite behandelt, während wir nimmer noch am Aufbauen waren. Die beiden haben sich schnell gefunden und während des ganzen Aufenthalts zu zweit zusammen gearbeitet. Wie letztes Jahr habe ich mit Christina gearbeitet und Sören mit seiner Tochter Laura. Christina und ich können uns abwechseln weil wir beide Zahnärzte sind. Dies ist manchmal sehr willkommen. Bei 40 Grad Celsius, kann es körperlich sehr belastend sein, Zähne am Laufband zu extrahieren.

Die anderen können sich nicht abwechseln. Hut ab!

Bereits nach den ersten beiden Tagen haben alle bestätigt, dass sie auch nächstes Mal gerne wieder mitkommen…… Ich freue mich schon.
Ein ganz großer Dank an alle Teilnehmer – Ihr habt alle super Arbeit geleistet und zur angenehmen, entspannten und lustigen Atmosphäre beigetragen.

Ebenfalls möchte ich unseren Sponsoren danken und die Personen die mir bei der Sponsorensuche geholfen haben.

Dank Eurer Hilfe konnten wir dieses Jahr mehr Leute helfen als je zuvor und eine Basis ist jetzt geschaffen, die bedeutet, dass wir diese Hilfe in den nächsten Jahren noch weiter ausbauen können.